⁣#66 | 😧 Meine Facharbeit ist zu 47,4 % KI

Hallo zusammen 👋

„Eigenschaften ausgewählter Klebstoffe unter verschiedenen Reaktionsbedingungen“

So hieß meine Facharbeit aus der Oberstufe. 2008, Chemie, 23 Seiten über Klebstoffe. Ich glaube es waren 9 Punkte. 😀

Facharbeit ohne KI

Vor Kurzem war ich bei meinen Eltern in der Pfalz zu Besuch und habe diese alte Mappe aus dem Regal gezogen. Dabei kam mir beim Durchblättern eine Frage in den Sinn:

Was sagt eigentlich ein KI-Detektor zu diesem Text?

Gesagt, getan. Abfotografiert, Text rein und los.

47,4 Prozent KI-generiert.

Für eine Arbeit, die vierzehn Jahre älter ist als ChatGPT.

KI-Detektor-Test Lehrkräfte

Dass diese Werkzeuge nichts taugen, ist keine neue Erkenntnis. Auch in einer Stanford-Studie wurden 61 Prozent der Aufsätze von Jugendlichen fälschlich als KI markiert, bei denen Englisch nicht ihre Erstsprache war. OpenAI hat seinen eigenen Detektor schon 2023 nach wenigen Monaten wieder abgeschaltet, wegen zu geringer Trefferquote.

Eingesetzt werden solche Tools trotzdem weiter, auch an Schulen, um Verdachtsmomente für einen vermeintlichen KI-Einsatz zu begründen. Mit teils gravierenden Folgen für die Schüler:innen.

Mich hat aber noch etwas anderes gepackt. Ich wollte wissen: Was ist an meinem Text eigentlich typisch KI?

Die ausführlichste Sammlung solcher Muster pflegt die Wikipedia-Community unter Signs of AI writing: eine lange Liste sprachlicher Auffälligkeiten, an denen sich KI-Texte oft verraten. Drei davon erkennen inzwischen viele sofort.

🔹 Die Buzzwords. „Bahnbrechend", „revolutionär" und „Gamechanger“ fällt vielen auf. Hinzu kommen unauffälligere Wörter wie „unterstreicht", „entscheidend", „nahtlos", „zeugt von", die auffällig häufig in KI-Texten vorkommen.

🔹 „Nicht nur X, sondern auch Y." Die sauber ausbalancierte Gegenüberstellung, eines der auffälligsten Satzmuster. Beispiel? „KI ist nicht nur ein Werkzeug, sondern ein echter Paradigmenwechsel."

🔹 Der Gedankenstrich (-). Kein Satzzeichen steht aktuell stärker unter KI-Verdacht als dieses.

Ein „Gamechanger" steht nicht in meiner Facharbeit, so viel vorweg. Aber ich fand andere Buzzwords, zudem KI-typische Rahmungssätze („Im Folgenden möchte ich ..."), sowie ausbalancierte Satzmuster und Zwillingskonstruktionen, die auf KI hindeuten könnten. Und auch der Gedankenstrich war dabei.

Gedankenstrich - Typisch KI

Insgesamt: 66 Fundstellen in gut 4000 Wörtern, KI-typische Füllwörter noch nicht mitgezählt.

Geschrieben hat das ein Oberstufenschüler, der damals tatsächlich Holzplättchen verklebt, sie in den Backofen und die Gefriertruhe gelegt und sie anschließend auf ihre Festigkeit geprüft hat. Und der beim Schreiben einfach geschrieben hat. So, wie er es damals gelernt hatte.

Überraschend sind diese Befunde allerdings nicht.

Die Modelle haben diese Muster nicht erfunden, sie haben sie bei uns gelernt: aus Büchern, Hausarbeiten oder aus großen Teilen des Internets. Dass meine Facharbeit heute nach KI klingt, sagt also mehr über die Modelle aus als über die Arbeit.

Und doch habe ich mich ertappt gefühlt.

Ich reagiere inzwischen empfindlich, wenn ich etwa den Gedankenstrich irgendwo sehe, sogar bei einem Text, der nachweislich vor ChatGPT und Co. entstanden ist. Und meine eigenen Gedankenstriche setze ich häufig nur noch mit einem unguten Bauchgefühl. Klingt zu sehr nach KI, denke ich, und baue den Satz um.

Auch Schüler:innen machen das.

Sie kennen die Verdachtslisten und stellen ihre KI-Tools so ein, dass nichts davon im Text landet. Auch ihre Texte sollen nicht nach KI klingen und es soll gar nicht erst einen Anlass zum Verdacht geben.

Verständlich, denn solange auf Verbote und Detektoren gesetzt wird, ist Tarnen die logische Reaktion. Nur wird dann nicht mehr für Leser:innen geschrieben, sondern für einen KI-Detektor.

Und nun?

KI-Muster sagen nichts über die Herkunft eines Textes. Trotzdem will niemand Texte lesen, die immer öfter nach demselben KI-Einheitsbrei (AI Slop) klingen. Eine Frage bleibt:

Inwieweit wollen wir unser Schreiben von KI diktieren lassen?

Eine fertige Antwort habe ich nicht. Drei Dinge nehme ich mir trotzdem vor:

  • Bei mir selbst: mutiger schreiben und nicht jeden Satz daraufhin abklopfen, ob ihn auch eine Maschine hätte schreiben können. Die abgedroschendsten Floskeln will ich vermeiden, mir beim Schreiben aber treu bleiben.

  • Bei meinen Schüler:innen: sie ermutigen, Sprache ganz bewusst einzusetzen und sich dabei nicht von Verdachtslisten verunsichern zu lassen. Und selbst unvoreingenommener lesen, nicht bei jedem verdächtigen Zeichen direkt von KI ausgehen.

  • Und insgesamt: anerkennen, dass sich Sprache verändert. Das hat sie schon immer getan, und auch KI wird ihre Spuren hinterlassen. Genauso verändert sich das Schreiben selbst: Auch bei mir ist die Grenze zwischen eigenem Schreiben und KI-Unterstützung längst fließend, bei diesem Text genauso. Ob das gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage. Was wir daraus machen, entscheiden wir aber weiter selbst, im Klassenzimmer genauso wie am eigenen Schreibtisch.

Meine Facharbeit steht jedenfalls wieder im Regal. Etwas bleibt trotzdem hängen. Wenn das nächste Mal in einem Text ein Gedankenstrich oder ein anderes vermeintliches KI-Muster auftaucht:

Vielleicht war da eine Maschine am Werk. Vielleicht aber auch einfach jemand, der so geschrieben hat, wie es sich richtig angefühlt hat – ganz egal, ob mit oder ohne KI-Unterstützung.

Ich wünsche euch weiter schöne Ferien!

Beste Grüße

Manu

PS: Hier findet ihr alle weiteren Themen im Überblick:

  • 💻 Lokale KI-Modelle statt ChatGPT? Der Praxis-Einstieg für Lehrkräfte

  • 🆕 KI-Tool-Updates: Claude, ChatGPT, Gemini & Co.

  • 📊 Schulbarometer 2026 - Lehrkräfte nutzen KI, bleiben aber skeptisch (Robert Bosch Stiftung)

  • 🎧 Podcast - KI außer Kontrolle? (Das Politikteil, DIE ZEIT)

  • 📚 Abseits von KI: Psychologie fürs Klassenzimmer (Benedikt Wisniewski)

  • ⌨️ Prompting-Tipp: Den KI-Selbstcheck am Ende aktivieren

PPS: Die Warteliste für meinen kostenfreien E-Mail-Kurs „Claude Cowork für Lehrkräfte" ist weiter offen. Wenn ihr dabei sein wollt, könnt ihr euch hier eintragen. Ich freue mich!

>>Zur Warteliste<<

💻 Lokale KI-Modelle statt ChatGPT? Der Praxis-Einstieg für Lehrkräfte

Es gibt KI-Modelle, die im laufenden Betrieb nichts kosten, auch ohne Internet funktionieren und bei denen keine Eingabe euer Gerät verlässt. Beim Datenschutz habt ihr damit eine optimale Ausgangslage und von Preisen oder Entscheidungen einzelner Anbieter seid ihr unabhängig.

Die Rede ist von lokalen Sprachmodellen, die direkt auf eurem eigenen Rechner laufen. Sie sind längst alltagstauglich, und der Einstieg ist einfacher, als es den Anschein macht. Damit habe ich mich in den vergangenen Wochen beschäftigt und meine Erkenntnisse als Praxis-Einstieg für Lehrkräfte zusammengeschrieben.

Im Blogartikel erwartet euch:

➡️ Eine Einführung, was lokale Modelle sind und was sie können
➡️ Ein Modellfinder für die schnelle Hardware-Prüfung
➡️ Eine Video-Anleitung für Installation und Einrichtung

👉 Zum Blogartikel inkl. Modellfinder und Video-Anleitung

🆕 KI-Tool-Updates: Claude, ChatGPT, Gemini & Co.

KI-Tool-Updates: Claude, ChatGPT, Gemini & Co.

So spannend lokale Modelle sind, die meisten von euch arbeiten im Alltag weiter mit ChatGPT, Claude oder Gemini. Und genau dort gab es in den vergangenen Wochen wieder viele Updates und Neuerungen. Nachfolgend in aller Kürze, was sich geändert hat, alle Details dann wieder über die Verlinkungen.

🪶 Claude: Sonnet 5, Opus 5 und Sprachmodus

Für Claude von Anthropic steht jetzt Claude Sonnet 5 als Standardmodell im kostenlosen Zugang bereit. Zudem kam für Pro-Accounts Claude Opus 5 dazu, laut Anthropic nah an der Leistung von Fable 5, das nun doch wieder verfügbar ist (letztes Mal hier berichtet). Claude Cowork läuft seit Mitte Juli nicht mehr nur in der Desktop-Version, sondern auch im Web und auf dem Smartphone, aktuell im Max-Abo, weitere Abos folgen. Der Sprachmodus greift jetzt auf die stärkeren Modelle zurück und beherrscht elf Sprachen, inklusive Deutsch. Praktisch für alle, die lieber sprechen als tippen. Den Unterschied fällt im praktischen Einsatz direkt auf.

💬 ChatGPT 5.6, ChatGPT Work und ein besserer Sprachmodus

Seit dem 9. Juli ist GPT-5.6 da, die neuen Modelle heißen Luna für alles, was schnell gehen soll, Terra für alltägliche Aufgaben und Sol für anspruchsvolle Aufgaben. Mit einem kostenlosen Zugang bleibt es aktuell allerdings bei GPT-5.5 Instant. Hinzu kommt ChatGPT Work, das Gegenstück zu Claude Cowork, also ein eigener Bereich, der unter anderem mit euren Dateien arbeitet. Deutlich besser geworden ist außerdem ebenfalls der Sprachmodus, hinter dem jetzt GPT-Live steckt. Wer in der Schule mit Microsoft 365 arbeitet, nutzt das neue GPT-5.6 übrigens auch in Copilot.

✨ Gemini: zwei Modelle und ein neuer Name für NotebookLM

Gemini: zwei Modelle und ein neuer Name für NotebookLM

Google hat mit Gemini 3.6 Flash und 3.5 Flash-Lite zwei schnelle Modelle nachgelegt. Im Alltag ändert sich für euch damit vor allem das Tempo. Zudem heißt NotebookLM jetzt Gemini Notebook. Geändert hat sich nur der Name, das Produkt dahinter bleibt gleich. Falls ihr Gemini Notebook noch nicht kennt, probiert es unbedingt mal aus. Das Tool ist mit einem Google-Konto kostenfrei nutzbar und eignet sich super für Wissensmanagement oder für die Erstellung von Podcasts oder einfachen Erklärvideos.

📊 Schulbarometer 2026 – Lehrkräfte nutzen KI, bleiben aber skeptisch (Robert Bosch Stiftung)

Das Deutsche Schulbarometer kam Ende Juni raus, einen Tag nach meinem letzten Newsletter. Einige von euch kennen die Ergebnisse bestimmt längst, ich nehme es trotzdem auf: Es ist die aktuellste Momentaufnahme zur KI-Nutzung an deutschen Schulen.

Schulbarometer 2026 – Lehrkräfte nutzen KI, bleiben aber skeptisch (Robert Bosch Stiftung)

Befragt wurden 1.547 Lehrkräfte und Schulleitungen. Es zeigt sich, dass die KI-Nutzung deutlich zunimmt. Der Anteil derer, die KI-Tools nie nutzen, ist binnen eines Jahres von 31 % auf 10 % gefallen, mehrmals pro Woche mit KI arbeiten inzwischen 19 % der Lehrkräfte, 6 % sogar täglich. Zudem gewinnen immer mehr Lehrkräfte Sicherheit im Umgang mit KI. Inzwischen fühlen sich 48 % eher oder sehr sicher, 7 % davon sogar sehr sicher - ein Anstieg um zehn Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Unter denen, die KI nutzen, geht es vor allem um die eigene Vorbereitung, also um das Erstellen von Aufgaben (64 Prozent) und die Unterrichtsplanung (58 Prozent). Im Unterricht selbst kommt KI dagegen deutlich seltener an, nur 29 Prozent lassen ihre Schüler:innen aktiv damit arbeiten. Zugleich fällt die Einschätzung der Folgen für Schüler:innen ambivalent aus, denn 59 Prozent sehen Chancen für individualisierte Lernunterstützung, während die Mehrheit negative Auswirkungen auf kritisches Denken und soziale Fähigkeiten (je 67 Prozent) oder auf das Problemlösen (62 Prozent) erwartet.

KI etabliert sich also als Werkzeug in der beruflichen Praxis, während sich viele im Umgang damit jedoch weiterhin unsicher fühlen. Genau daraus folgt ein erheblicher Fortbildungs- und Qualifizierungsbedarf. Gemeint ist dabei weniger die Bedienung der Tools, sondern vor allem die didaktisch begründete und lernförderliche Einbettung in den Unterricht. Dass KI mit 52 Prozent ganz oben auf der Fortbildungswunschliste steht, passt ins Bild.

Zeitgleich bin ich davon überzeugt, dass die ersten wichtigen Schritte genau die sind, die die Studie sichtbar macht. Wer KI zunächst für sich selbst einsetzt, erweitert sein Anwendungs-Know-How und erlangt ein erstes, grundlegendes Verständnis. Das schafft eine gute Basis, KI anschließend auch im Unterricht gemeinsam mit den Schüler:innen einzusetzen.

➡️ Zur Originalpublikation der Robert Bosch Stiftung (PDF, 108 S.)

PS: Auch abseits von KI lohnt sich der Blick in die Studie, denn sie liefert Zahlen zur Demokratiebildung, zur Arbeitsbelastung und zur Berufszufriedenheit. Eine letzte Zahl zum Schluss: 89 % der Lehrkräfte stimmen der Aussage eher oder voll und ganz zu, gerne an ihrer Schule zu arbeiten. 🤗

🎧 Podcast - KI außer Kontrolle? (Das Politikteil, DIE ZEIT)

Podcast-Empfehlung: KI außer Kontrolle (Das Politikteil, DIE ZEIT)

Im Juli sind bei internen Sicherheitstests Modelle aus ihrer abgeschotteten Umgebung ausgebrochen. Im bestbelegten Fall haben zweiOpenAI-Modelle die Plattform Hugging Face angegriffen, um sich die Lösungen genau des Tests zu holen, an dem sie gerade saßen.

“Das Politikteil” von DIE ZEIT hat daraus eine hörenswerte Folge gemacht, zu Gast ist Sibylle Anderl, Leiterin der ZEIT-Wissenschaftsredaktion. 58 Minuten, zu finden in allen Podcast-Apps. Hört gerne mal rein! #LernenüberKI

➡️ Zur Folge bei Apple Podcasts

➡️ Zur Folge bei Apple Spotify


📚 Abseits von KI: Psychologie fürs Klassenzimmer (Benedikt Wisniewski)

Buch-Empfehlung: Psychologie fürs Klassenzimmer (Benedikt Wisniewski)

Für meinen Urlaub in der Pfalz hatte ich mir unter anderem das Buch „Psychologie fürs Klassenzimmer“ von Benedikt Wisniewski eingepackt.

Darin sind 35 Studien aus der Bildungsforschung aufbereitet, unter anderem aus den Bereichen Lernen, Motivation, Diagnostik, Unterricht und Kommunikation. Die Studien sind in klar strukturierten Kapiteln eingeordnet, jeweils mit Reflexionsteil und Praxisimpulsen.

Einige Folgen des Podcasts gleichen Namens kannte ich schon, konnte aus dem Buch aber trotzdem noch einmal viel für mich mitnehmen! Wer in den Ferien reinlesen mag, auch wenn es um Schule geht, findet hier den Link:

➡️ Hier geht es zum Buch*

Wer in den Podcast reinhören mag, findet diesen in den üblichen Podcast-Apps, zum Beispiel hier oder hier.

*Affiliate-Link: Wenn ihr über meinen Link einen Kauf tätigt, erhalte ich eine kleine Provision vom Händler. Für euch bleibt der Preis selbstverständlich gleich.


⌨️ Prompting-Tipp: Den KI-Selbstcheck am Ende aktivieren

Kennt ihr das? Ihr gebt eurem KI-Tool einen langen Auftrag mit mehreren Vorgaben, sie liefert eine ordentliche Antwort, aber beim näheren Hinsehen fehlen wichtige Punkte. Eine Vorgabe ignoriert, einen Schritt vergessen oder eine Bedingung übersehen.

Mit diesem kurzen Zusatz am Ende eures Prompts holt ihr euch einen eigenen Kontrollschritt:

Bevor du die Antwort ausgibst: Überprüfe, ob alle Vorgaben und Schritte aus meinem Auftrag erfüllt sind. Liste kurz auf, was du geprüft hast.

Eure KI geht damit vor der Ausgabe euren Auftrag noch einmal durch, prüft die Punkte und merkt, wenn etwas fehlt. Ich nutze den Zusatz vor allem bei umfangreichen Aufgaben mit vielen Schritten und mache damit gute Erfahrungen.

Übrigens steht genau diese Vorgehensweise auch in den Prompting-Hinweisen von Anthropic. Das Spitzenmodell Claude Opus 5 macht das sogar schon von allein ohne euer Zutun.

Viel Spaß beim Ausprobieren! ✨


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