#67 | 📓 Hausaufgaben besser, Klausuren schwächer
Hallo zusammen 👋
Der Schulalltag hat mich gerade voll im Griff, deshalb gibt es heute kein längeres Editorial.
Trotzdem ist in den vergangenen Wochen einiges passiert, mit dem ich mich beschäftigt habe und das ich mit euch teilen möchte. Im Mittelpunkt standen dabei für mich neue Studien rund um Lernen und KI, darunter eine aus China zu Hausaufgaben und Klausurergebnissen. Alles dazu findet ihr weiter unten im 📓 Studien-Radar.
Außerdem geht es um das Wasserzeichen in KI-Texten, Neuerungen bei den großen KI-Anbietern und weitere Themen. Ebenso habe ich euch meinen kostenfreien Claude-Kurs für Lehrkräfte verlinkt, der inzwischen online ist.
Wir starten direkt rein ⏩
Eine schöne Restwoche euch!
Beste Grüße
Manu
Hier findet ihr alle Themen im Überblick:
📬 Claude-Kurs für Lehrkräfte - jetzt online
🆕 KI-Tool-Updates - ChatGPT, Claude & AIS.chat
📓 Studien-Radar - Was PISA & Co. über KI und Lernen sagen
🎧 Podcast - Killt KI die Menschheit? (Das Politikteil)
⚖️ Wasserzeichen in KI-Texten (und was das für uns heißt)
⭐️ Abseits von KI: PISA und die Folgen für unsere Demokratie (Politik mit Anne Will)
⌨️ Prompting-Tipp: Diktat aufräumen
📬 Claude-Kurs für Lehrkräfte - Jetzt online
Mein kostenfreier E-Mail-Kurs zu Claude ist online. In sieben Mails richtet ihr euch Schritt für Schritt ein Setup für eure Unterrichtsvorbereitung ein, bis hin zum persönlichen KI-Agenten-Setup mit Claude Cowork. Vorwissen braucht ihr keins.
Sechs der sieben Tage funktionieren im kostenlosen Plan, nur Tag 6 für Cowork benötigt einen Bezahlplan.
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🆕 KI-Tool-Updates - ChatGPT, Claude & AIS.chat
ChatGPT - Neue Modelle, Lernkarten, ChatGPT in Word & mehr
OpenAI hat mit GPT-6 Astra und GPT-6 Sol neue Spitzenmodelle vorgestellt. Mit Astra lassen sich mit einfachen Prompts sogar anschauliche 3D-Umgebungen erstellen. Dies lässt sich auch für den Unterricht nutzen, etwa zur Erstellung von unterrichtsbezogenen Escape-Games oder Lernspielen.
Die beiden Sprachmodelle sind in den Bezahltarifen verfügbar und im Bereich „Work“ zu finden.
Ich habe GPT-6 Astra mit einem unterrichtsbezogenen Lernspiel ausprobiert. Es handelt sich dabei um ein Quiz, das an das Spiel „Die magische Wand“ angelegt ist. Einen kurzen Blick auf das Ergebnis könnt ihr hier werfen.
Es waren dafür zwei Prompts notwendig. Wie ihr seht, sind euch bei der Umsetzung eurer Ideen immer weniger Grenzen gesetzt!
3D-Lernspiel; erstellt mit ChatGPT, Sprachmodell: GPT-6 Astra
Mit dem verbesserten Bildmodell GPT Images 2.5 gelingen Infografiken und Abbildungen in ChatGPT jetzt noch passgenauer. Zudem könnt ihr (wieder) Lernkarten direkt im Chat erstellen. Verwendet einfach den Zusatz „Erstelle Flashcards“.
Wer ChatGPT kostenlos nutzt, bekommt inzwischen auch in Deutschland Werbung angezeigt. Bezahlkonten und Konten für Nutzer:innen unter 18 Jahren bleiben werbefrei. Neu in den kostenfreien Tarifen ist dafür ChatGPT für Word. Damit arbeitet ihr mit ChatGPT direkt in euren Dokumenten und spart euch das Hin- und Herkopieren.
Claude - Neue Modelle und höhere Nutzungslimits
Am 22. September hat Anthropic Claude Opus 5.5 veröffentlicht. Laut Anthropic erreicht es bei den meisten Aufgaben das Niveau des bisherigen Spitzenmodells Fable 5.1. Verfügbar ist es in den Bezahltarifen, dort steigen zugleich die Nutzungslimits. Im kostenlosen Plan steht das neue und leistungsfähigere Sprachmodell Sonnet 5.5 zur Verfügung.
AIS.chat bekommt Werkzeuge
AIS.chat hat vor zwei Wochen einen großen Umbau bekommen, der sich im Alltag bemerkbar macht. Ladet ihr ein Dokument hoch, etwa einen Fachtext oder ein Arbeitsblatt, sucht AIS.chat darin bei Bedarf gezielt die passenden Stellen heraus. Die Antworten sollen dadurch präziser werden. Außerdem lassen sich hochgeladene Dokumente und Websuche verbinden, etwa um zu einem Text passende aktuelle Quellen zu finden. Angebunden ist bereits MUNDO, die offene Bildungsmediathek der Länder. Geplant sind weitere Schritte, etwa die Anbindung von Lehrplänen.
📓 Studien-Radar - Was PISA & Co. über KI und Lernen sagen
In den letzten Wochen wurden gleich mehrere Studien und Berichte zu KI und Lernen vielfach diskutiert. Ich habe euch die wichtigsten Befunde kurz zusammengestellt.
PISA 2025 und die KI-Kluft
Am 8. September sind die Ergebnisse von PISA 2025 erschienen. Deutschland hat so schwach abgeschnitten wie noch nie seit Beginn der Studie vor 25 Jahren. Zudem wurde dieses Mal auch die Nutzung von KI abgefragt, mit drei Befunden, die ich für wichtig halte.
Die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland nutzt mindestens wöchentlich KI-Chatbots zum Lernen, im OECD-Schnitt sind es 46 Prozent. Am besten schneiden im Mittel diejenigen ab, die KI nie oder fast nie für Schulaufgaben einsetzen, wobei die OECD den Zusammenhang selbst als komplex bezeichnet. Etwas bessere Ergebnisse zeigen sich dort, wo Jugendliche gezielt KI-Kompetenzen aufbauen können. Diese Gelegenheiten haben sozial benachteiligte Jugendliche allerdings seltener, weshalb die OECD vor einer wachsenden KI-Kluft warnt.
Studie aus China zu Hausaufgaben und Klausuren
David Strömberg, Victor Lei und Yanhui Wu haben in einer Studie Daten von 26.811 Schüler:innen über 30 Monate ausgewertet. Mit KI stiegen die Hausaufgabenleistungen um 18 Prozent, in Klausuren ohne KI sanken die Ergebnisse um 20 Prozent. Ein Fünftel der Schüler:innen saß trotz KI weiter genauso lange an den Hausaufgaben, und diese Gruppe schnitt in den Klausuren nicht schlechter ab. Die Arbeit ist bislang ein Preprint und stammt aus einem einzigen Landkreis. Einige von euch kennen das Muster aber vielleicht aus dem eigenen Unterricht. Entscheidend scheint zu sein, ob sich Schüler:innen trotz KI weiter Zeit zum Üben nehmen. Eine ausführliche Einordnung der Studie gibt es im Podcast Kompass KI (23 Min, S2E2).
Trendmonitor KI in der Bildung 2026
Für den Trendmonitor KI in der Bildung 2026 der Deutschen Telekom Stiftung wurden 81 Expert:innen befragt. Klare Potenziale von KI werden etwa beim personalisierten Lernen und bei der Inklusion gesehen. Zu den größten Risiken werden die Abhängigkeit von KI-Unternehmen sowie Skill Skipping und Deskilling gezählt, also dass Kompetenzen gar nicht erst erworben werden oder verloren gehen. Als dringendster Handlungsbedarf gilt, dass Schüler:innen und Lehrkräfte lernen, KI-generierte Inhalte kritisch zu hinterfragen und ihre Entstehung zu reflektieren. Fast ebenso dringend werden Fortbildungen zum verantwortungsvollen Einsatz von KI und eine Reform der Prüfungsformate eingestuft.
Für individualisiertes Lernen mit KI wird zudem als Voraussetzung gesehen, dass Lernende Selbstregulation aufbauen, bevor sie allein mit KI-gestützten Lernangeboten arbeiten. Dazu gehört, das eigene Lernen zu planen, sich selbst zu motivieren, das eigene Verständnis zu überprüfen und KI-Ergebnisse anhand von Kriterien zu bewerten. Ich halte genau diese Fähigkeiten für immer wichtiger, damit Lernen auch in Zeiten von KI gelingt.
🎧 Podcast - Killt KI die Menschheit? (Das Politikteil)
Drei Chefs großer KI-Unternehmen fordern, die Entwicklung leistungsfähiger KI-Systeme zu verlangsamen, während die Warnungen vor einem möglichen Kontrollverlust immer drastischer werden. In der aktuellen Folge von „Das Politikteil“ wird eingeordnet, was daran reale Gefahr und was Panikmache ist, welche Rolle der Wettlauf mit China spielt und warum es trotzdem verbindliche Regeln braucht.
Ich fand die Folge sehr hörenswert. Hört gerne auch mal rein. #LernenueberKI
➡️ Zur Podcast-Folge (55 Min.)
⚖️ Wasserzeichen in KI-Texten (und was das für Lehrkräfte heißt)
Seit August gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der europäischen KI‑Verordnung. Anbieter von KI-Tools müssen KI-generierte Inhalte, auch Texte, maschinenlesbar kennzeichnen. Anthropic setzt das bei Claude mit einem unsichtbaren Wasserzeichen um.
Vereinfacht gesagt werden bei der Texterstellung die Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Wörter leicht verschoben, sodass bei der Wortwahl ein statistisches Muster entsteht. Beim Lesen merkt man davon nichts. Erkennbar werden die Muster mit speziellen Prüftools, die aktuell Behörden, Medien und ausgewählten Organisationen vorbehalten sind.
Mit Blick auf die Schule wurde an manchen Stellen erneut der Reflex laut, KI-Texte ließen sich jetzt endlich erkennen. Doch ähnlich wie KI-Detektoren helfen auch KI-Wasserzeichen hier nicht weiter. Ob und wie viel beim Schreiben selbst nachgedacht wurde, lässt sich auch daran am Ende nicht verlässlich ablesen.
Wer als Lehrkraft Texte mit KI-Unterstützung erstellt, muss diese laut EU AI Act nicht pauschal kennzeichnen. Es kommt darauf an, wie ein KI-System eingesetzt wird und ob ein Inhalt über seine Herkunft oder Echtheit täuschen kann. Eigene Regeln der Schule oder des Landes gelten davon unabhängig, und im Sinne der Transparenz kann eine freiwillige Kennzeichnung trotzdem sinnvoll sein. Was das konkret für Schulen und Lehrkräfte bedeutet, hat Lehrer-Online in einem Artikel verständlich aufbereitet.
⭐️ Abseits von KI - PISA und die Folgen für unsere Demokratie (Politik mit Anne Will)
Anne Will spricht in ihrem Podcast mit Aladin El-Mafaalani über die Ergebnisse der PISA-Studie 2025, bei der deutsche Schüler:innen so schlecht abgeschnitten haben wie noch nie. Von dort aus weitet sich der Blick auf die Fragen, was im Schulsystem schiefläuft, wer die Verantwortung für die Bildung junger Menschen trägt und welche Folgen das für unsere Demokratie hat. Hört unbedingt rein (116 Min.).
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⌨️ Prompting-Tipp: Diktat aufräumen
Ich diktiere inzwischen viele meiner Gedanken, etwa Ideen für Unterrichtsstunden oder erste Entwürfe für Texte. Das geht schnell, der Rohtext ist danach aber oft ziemlich chaotisch, mit Gedankensprüngen, Wiederholungen, Füllwörtern und manchmal auch Fehlern bei der Transkription.
Ein einfaches „Bitte korrigieren“ reicht dann nicht immer. Besser klappt es, wenn ihr konkret werdet, zum Beispiel mit diesem Prompt:
Hier ist ein diktierter Rohtext von mir. Bring ihn in Ordnung, korrigiere Rechtschreib- und Transkriptionsfehler, sortiere die Gedanken und gib ihm eine klare Struktur. Behalte meine Formulierungen so weit wie möglich bei und ergänze keine neuen Inhalte. Markiere Stellen, an denen du dir unsicher bist, was ich gemeint habe.
<Eingesprochener Text>
Die Spracheingabe findet ihr in den meisten KI-Chatbots direkt im Chatfenster über das Mikrofon-Symbol.
Viel Spaß beim Ausprobieren! ✨