#68 | 🔖 KI im Unterricht: Klarheit auf drei Ebenen

Titelbild Newsletter #68: Papiercollage mit Arbeitsblättern und den drei KI-Zeichen Ohne KI, KI zum Verstehen und Mit KI arbeiten

Hallo zusammen 👋

„Aber ich nehme das doch nur zur Lernunterstützung. Wo ist das Problem?“

Diesen Satz hörte ich vor ein paar Wochen von einem Schüler, der in einer Übungsphase ein KI-Tool dazunehmen wollte. Die Übung war aber ganz bewusst ohne KI angelegt. Als ich ihm das sagte, war er ehrlich überrascht.

„Bei dieser Übung möchte ich sehen, was Sie schon selbst können.“
„Wie jetzt? Wir dürfen KI doch zum Lernen nutzen. Üben ist doch auch Lernen.“
„Schon, nur eben heute ohne KI.“
„Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.“

Diese Situation hat mich ins Nachdenken gebracht.

Eigentlich hatte der Schüler recht

Üben ist nun mal auch Lernen. In unseren Klassenregeln stand, dass KI zur Unterstützung im Lernprozess genutzt werden kann. Aus seiner Sicht widersprach ich gerade unserer eigenen Regel.

Klar, man könnte jetzt sagen, dann war die Regel eben nicht eindeutig genug. Sicher ist da etwas dran. Ein Zusatz wie „außer die Lehrkraft sagt etwas anderes“ hätte immerhin geklärt, dass es Ausnahmen gibt. Warum gerade diese Übung eine Ausnahme war, wäre trotzdem offengeblieben. Ob KI hilft oder im Weg steht, hängt vom Unterrichtsziel ab. Das kannte in dem Moment nur ich.

Mir hat die Situation deshalb vor Augen geführt, dass KI-Regeln für die Klasse wichtig sind, allein aber nicht reichen. Es braucht weitere Vereinbarungen und Hinweise, die den Lernenden zeigen, wann und wie sie KI im Unterricht konkret nutzen können und sollen.

Drei Ebenen für mehr Klarheit

Seitdem denke ich bei KI-Vereinbarungen noch konsequenter in drei Ebenen, die Susanne Alles und ich auch in einem bald erscheinenden Artikel in der Zeitschrift PÄDAGOGIK aufgreifen.

🔹 Klassenebene
🔹 Unterrichtsebene
🔹 Aufgabenebene

Aus meiner Erfahrung entsteht Klarheit für die Lernenden vor allem dann, wenn Regeln und Vereinbarungen auf allen drei Ebenen festgelegt sind und ineinandergreifen.

Auf der Klassenebene braucht es verbindliche Regeln, die den Rahmen für die KI-Nutzung setzen. Diese vereinbare ich mit meinen Klassen zu Beginn des Schuljahres. Dazu gehört etwa, welche KI-Tools freigegeben sind, was beim Datenschutz zu beachten ist und wie die KI-Nutzung bei Abgaben angegeben wird. Auch der Satz zur Lernunterstützung, auf den sich der Schüler berufen hat, gehört hierher. Grundlage für die KI-Regeln ist der KI-Leitfaden für Lehrende und Lernende, den Joscha Falck und ich gemeinsam entwickelt haben.

Auf der Unterrichtsebene plane ich den KI-Einsatz phasenweise. In bestimmten Unterrichtsphasen kommt KI bewusst zum Einsatz, in anderen verzichten wir ebenso bewusst darauf. In Rahmen einer Unterrichtseinheit kann das etwa so aussehen:

  • Einstieg & Vorwissen aktivieren → ohne KI

  • Erarbeitungsphase → mit KI, gezielt für Recherche und Feedback

  • Übungsphase → ohne KI

Die Übung aus dem Gespräch war genau so eine Phase ohne KI. Solche Phasen sage ich an, möglichst mit einer kurzen Begründung.

Auf der Aufgabenebene stehen bei mir seit Kurzem Piktogramme direkt am Arbeitsschritt, eingeführt in meinen neuen Klassen. Die Lernenden sehen damit auf einen Blick, ob und in welchem Umfang KI erlaubt ist.

🚫 Ohne KI für Aufgaben, die ohne KI-Tools bearbeitet werden.
💡 KI zum Verstehen, wenn KI als Lernunterstützung erlaubt ist, etwa um sich Begriffe und Zusammenhänge erklären zu lassen.
🔧 Mit KI arbeiten, wenn die Lernenden KI im Auftrag für einen Teil der Arbeit einsetzen, etwa als Werkzeug beim Schreiben oder für Feedback.

Wie KI konkret genutzt werden kann, steht zusätzlich im Arbeitsauftrag.

Auf dem Übungsblatt aus dem Gespräch hätte letztlich „Ohne KI“ gestanden. Ist KI zur Lernunterstützung erlaubt, also genau so, wie der Schüler es meinte, steht auf dem Blatt „KI zum Verstehen“.

Arbeitsauftrag mit KI-Zeichen an jedem Arbeitsschritt und dem Kasten „KI-Einsatz bei diesem Arbeitsblatt“

Ein Arbeitsauftrag aus meinem Unterricht mit den drei Zeichen am Arbeitsschritt

Was ich bisher beobachte

Ich mache mit diesem Ansatz bisher gute Erfahrungen, vor allem in Klassen, in denen sich Abläufe erst noch einspielen müssen und eigenverantwortliches, selbstständiges Lernen im Aufbau ist. Die Schüler:innen spiegeln mir, dass ihnen die Zeichen Orientierung geben. Mit der Zeit kann die Steuerung lockerer werden und die Lernenden entscheiden mehr selbst.

Mir selbst hilft das Denken in drei Ebenen bereits bei der Planung, weil ich so frühzeitig festlege, wo wir KI nutzen und wo wir darauf verzichten.

Ohne die Lernenden geht es nicht

Die besten Regeln bringen nichts, wenn Schüler:innen den Sinn dahinter nicht verstehen. Deshalb muss immer wieder thematisiert werden, warum es diese Regeln braucht und warum eine Aufgabe mal ohne KI, mal mit KI zum Verstehen und mal mit KI als Werkzeug gedacht ist.

Auf die Frage des Schülers vom Anfang, wo das Problem ist, hätten das Zeichen auf dem Blatt und ein klarer Hinweis mit Begründung wohl schon die Antwort geliefert. Darauf werde ich zukünftig verstärkt setzen.

Wenn ihr die Piktogramme selbst nutzen wollt, findet ihr hier ein Materialpaket zum Download:

>>Zum Download<< (Zip-Datei, am besten am PC downloaden)

Mich interessiert außerdem, wie ihr das handhabt. Regelt ihr den KI-Einsatz eher pauschal für die Klasse oder auch an einzelnen Aufgaben? Schreibt es gern in die Kommentare unter der Webversion dieses Newsletters.

Ein schönes Wochenende euch!

Beste Grüße

Manu

Hier findet ihr die weiteren Themen im Überblick:

  • 🆕 KI-Tool-Updates - ChatGPT, Gemini & Claude

  • 📓 Bitkom-Umfrage - 7 Prozent haben schon ungeprüft mit KI benotet

  • 🏛️ KMK-Kompetenzrahmen - Das KI-Update ist da

  • 🎧 Podcast - Kumpel, Coach und Partnerin (Deutschlandfunk)

  • ⭐️ Abseits von KI - Was machen die Gewinner-Schulen richtig? (Die Schule brennt, SWR)

  • ⌨️ Prompting-Tipp: Faktencheck mit Fundstelle


🆕 KI-Tool-Updates - ChatGPT, Gemini & Claude

Infografik KI-Tool-Updates Oktober 2026: GPT-6 für alle in ChatGPT, Gemini-Gems werden zu Skills, Dokumente und Präsentationen in Claude auch kostenlos

ChatGPT - GPT-6 für alle, Wasserzeichen & das Aus für GPTs

Seit dem 8. Oktober läuft auch die kostenlose Version von ChatGPT mit einem GPT-6-Modell, nämlich GPT-6 Luna. Antworten können jetzt Grafiken, Diagramme, Buttons oder kleine Anwendungen direkt im Chat enthalten, OpenAI nennt das „Intelligent UI“. Die neueren Modelle der Reihe GPT-6.1 gibt es dagegen nur ab dem Plus-Plan und bisher nicht im normalen Chat.

Auch OpenAI versieht Texte aus ChatGPT jetzt mit einem unsichtbaren Wasserzeichen, in allen Plänen und vorerst nur in der EU. Über das Wasserzeichen bei Claude hatte ich im letzten Newsletter berichtet. Den Detektor bekommen zunächst nur ausgewählte Forschende und Fachorganisationen. OpenAI hält dabei selbst fest, dass ein fehlendes Wasserzeichen in Texten nicht belegt, dass ein Mensch den Text geschrieben hat.

Wer in der Vergangenheit eigene GPTs erstellt und geteilt hat, sollte sich den 11. Dezember vormerken. An diesem Tag schaltet OpenAI die Custom GPTs ab. Vorher lassen sie sich über „My GPTs“ in ein Plugin umziehen, also ein Paket aus euren Anweisungen und Dateien, das sich auch mit anderen Apps verbinden lässt. Das Plugin ist danach zunächst privat, wer euer geteiltes GPT bisher genutzt hat, hat darauf erst einmal keinen Zugriff mehr.

Gemini - Neues Modell nur im Abo, Gems werden zu Skills

Mitte Oktober hat Google Gemini 4 Argon gestartet, in der Gemini-App allerdings nur für die Abos AI Pro und Ultra. In der kostenlosen Version laufen seit dem 9. Oktober die meisten Anfragen über das Modell Flash-Lite, aufwendigere können auch bei Flash oder Pro landen. Die Gems werden durch Skills ersetzt, also gespeicherte Anweisungen für wiederkehrende Aufgaben, die ihr im Chat mit einem Schrägstrich aufruft. In privaten Konten lassen sich Gems ab dem 17. November nicht mehr nutzen, Google überführt sie dann automatisch in Skills.

Claude - Dokumente, Präsentationen & Designs jetzt auch kostenlos

Seit dem 8. Oktober sind die Funktionen für Dokumente, Präsentationen und Designs aus der Testphase raus und stehen in allen Plänen zur Verfügung, auch im kostenlosen. Damit lassen sich Dokumente und Designs direkt in Claude bearbeiten, bevor ihr sie exportiert. Kleine Änderungen nehmt ihr einfach selbst von Hand vor. Ich setze außerdem gern Kommentare an einzelne Stellen, die Claude dann gezielt überarbeitet. Ich finde die Funktion richtig klasse, weil sich KI-Ergebnisse so auch direkt punktuell anpassen lassen, ohne dass der ganze Text neu erzeugt wird.

Einen Ausblick gibt Motion, mit dem sich aus einem Prompt kurze Animationen erstellen lassen, bisher allerdings nur als Beta in den Team- und Enterprise-Plänen.

📓 Bitkom-Umfrage - 7 Prozent haben schon ungeprüft mit KI benotet

Screenshot der Bitkom-Presseinformation vom 27.10.2026: 7 Prozent der Lehrkräfte haben schon ungeprüft Noten durch KI vergeben

Wie verbreitet ist KI beim Prüfen und Bewerten eigentlich schon? Zahlen dazu liefert eine repräsentative Bitkom-Umfrage, für die zwischen Ende Mai und Ende Juni 501 Lehrkräfte der Sekundarstufen I und II telefonisch befragt wurden.

58 Prozent nutzen KI für schulische Zwecke, 20 Prozent auch zur Kontrolle von Aufgaben und Prüfungen. 7 Prozent geben an, schon Noten mit KI vergeben zu haben, ohne das Ergebnis zu prüfen.

Außerdem berichten nur 57 Prozent von klaren Regeln zum KI-Einsatz an ihrer Schule, jede zweite Lehrkraft fühlt sich von KI überfordert und 70 Prozent halten die KI-Nutzung der Schüler:innen für kaum kontrollierbar.

Vor allem die 7 Prozent stimmen in vielerlei Hinsicht nachdenklich. Die Bewertungshoheit muss bei der Lehrkraft bleiben, nicht nur mit Blick auf das Schulrecht, sondern auch mit Blick auf die KI-Verordnung der EU, die an KI-Systeme zur Bewertung von Lernergebnissen hohe Anforderungen stellt und klare Grenzen setzt. Am Ende muss die Lehrkraft die Note vergeben, selbst wenn ein KI-Tool bei der (Vor-)Korrektur unterstützt. Möglicherweise lässt sich die Zahl aber auch als Anzeichen dafür lesen, wie überlastet viele Lehrkräfte sind.

➡️ Zur Presseinformation von Bitkom (27.10.2026)

🏛️ KMK-Kompetenzrahmen - Das KI-Update ist da

Deckblatt des KMK-Kompetenzrahmens „Bildung in der digitalen Welt“, Aktualisierung im Kontext Künstlicher Intelligenz 2026, Beschluss der Bildungsministerkonferenz vom 16.10.2026

3D-Lernspiel; erstellt mit ChatGPT, Sprachmodell: GPT-6 Astra

Am 16. Oktober hat die Bildungsministerkonferenz beschlossen, den Kompetenzrahmen „Bildung in der digitalen Welt“ um KI-Aspekte zu erweitern. Die sechs bekannten Kompetenzbereiche bleiben in Struktur und Geltung unverändert, die Ergänzungen stecken vor allem in den Teilkompetenzen. Zur Orientierung greift der Beschluss vier Bereiche aus dem AI Literacy Framework von OECD und Europäischer Kommission auf, „Mit KI bewusst umgehen“, „KI kreativ anwenden“, „KI gezielt einsetzen“ und „KI aktiv mitgestalten“.

Neu hinzugekommen sind etwa Teilkompetenzen zum (Weiter-)Entwickeln eigener KI-Assistenten, zu den Grundlagen der KI-spezifischen Regulierung wie der KI-Verordnung der EU und zur Sensibilität gegenüber Deepfakes und KI-verstärkter Desinformation. Der Beschluss umfasst sieben Seiten, ihr könnt euch also schnell selbst einlesen. Eine übersichtliche Aufbereitung mit Poster und Karten hat außerdem Hauke Pölert erstellt.


🎧 Podcast - Kumpel, Coach und Partnerin (Deutschlandfunk)

KI-generiertes Symbolbild: Eine menschliche Hand hält eine weiße Roboterhand, passend zur Podcast-Folge über KI-Chatbots als emotionales Gegenüber

Immer mehr Menschen nutzen KI-Chatbots auch für persönliche Gespräche. Die Folge „Kumpel, Coach und Partnerin – Wie KI unsere Beziehungen verändert“ aus dem Deutschlandfunk-Podcast „KI verstehen“ geht der Frage nach, was es mit uns macht, wenn Chatbots Nähe und Aufmerksamkeit simulieren und zum emotionalen Gegenüber werden.

Passend dazu steht im aktualisierten KMK-Kompetenzrahmen jetzt eine eigene Teilkompetenz, nämlich zwischen menschlicher Kommunikation und Mensch-Maschine-Kommunikation auch emotional zu unterscheiden. Vielleicht ist die Folge auch ein guter Einstieg, um mit Lernenden darüber ins Gespräch zu kommen. Hört gerne mal rein.

➡️ Zur Podcast-Folge beim Deutschlandfunk (42 Min.)

➡️ Apple Podcasts

➡️ Spotify

⭐️ Abseits von KI - Was machen die Gewinner-Schulen richtig? (Die Schule brennt, SWR)

Screenshot aus Apple Podcasts: Folge „Deutscher Schulpreis – Was machen die Gewinner-Schulen richtig?“ des Bildungspodcasts „Die Schule brennt“

Ende September wurde der Deutsche Schulpreis 2026 verliehen, der Hauptpreis ging an die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf. An dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch an alle Gewinnerschulen! 🎉

Was andere Schulen von den Preisträgerschulen mitnehmen können, besprechen Bob Blume und Armin Himmelrath im Bildungspodcast „Die Schule brennt“.

Hört gerne rein. Überhaupt lohnt sich der Podcast immer wieder!

➡️ Zur Folge bei SWR Kultur (34 Min.)

➡️ Apple Podcasts

➡️ Spotify


⌨️ Prompting-Tipp: Faktencheck mit Fundstelle

Eingabefeld eines KI-Chatbots mit dem Prompt für den Faktencheck: Antwort Aussage für Aussage prüfen, mit Quelle, Link und wörtlichem Zitat der Textstelle

Ihr habt sicherlich schon mal mit eurem KI-Chatbot recherchiert und ein Ergebnis mit Quellenangaben am Ende erhalten. Ob einzelne Aussagen wirklich stimmen, seht ihr daran aber noch nicht. Wollt ihr das überprüfen, wird es schnell aufwendig.

Was mir dabei hilft, ist folgender Prompt:

Prüfe deine Antwort jetzt Aussage für Aussage. Erstelle eine Tabelle mit den Spalten „Aussage“, „Quelle mit Link“ und „Wörtliches Zitat der Textstelle“. Prüfe bei jeder Quelle, ob sie die Aussage tatsächlich stützt. Findest du für eine Aussage keine passende Quelle, schreib „keine Quelle gefunden“ in die Zeile.

Der Abgleich geht dann ganz schnell. Mit einem Klick auf den Link seid ihr im Original. Dort sucht ihr das Zitat aus der Spalte mit Strg+F (am Mac Cmd+F) und seht sofort, ob die Textstelle überhaupt vorkommt und ob sie in der Antwort richtig übernommen wurde. Passt etwas nicht, wisst ihr, wo ihr genauer hinschauen müsst.

Klappt grundsätzlich mit allen gängigen KI-Chatbots mit Websuche.

Viel Spaß beim Ausprobieren! ✨

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#67 | 📓 Hausaufgaben besser, Klausuren schwächer